KOMM LASS UNS TRAURIG SEIN

Komm lass uns traurig sein, sagt Ella zu mir. Frag nicht warum sie Ella heißt, sie heißt jetzt einfach so. Komm lass uns weinen und lass uns drin bleiben lass uns verstecken, lass uns vermissen, lass uns im Mangel leben.
Das kennen wir so gut.
Da sind wir gut drin.
Und sie schaut mich an mit ihrem leicht traurigen Gesichtsausdruck, schön sieht sie aus, denke ich. Sie legt die Hand auf meine Wange und spricht sanft zu mir. Du bist es gewohnt, traurig zu sein, das ist angenehm für uns. Das ist normal, das ist das was wir kennen.
Und naja Ella ist eben sehr schön und sie hat eine sanfte Stimme und weiche Augen und ich merke, dass ich immer nachgebe. Ich stimme ihr immer zu, ich habe aufgehört nach mir zu fragen. Ich habe aufgehört daran zu glauben, dass ich stark genug bin, um glücklich zu sein. Dass es vielleicht erstmal komisch erscheint, nicht traurig zu sein und nicht alles so schwer zu nehmen. Es scheint schwer.
Es scheint schwer, Verantwortung für mich selbst zu übernehmen.
Aber Ella ist leiser geworden in den letzten Wochen, obwohl sie allen Grund dazu gehabt hätte, lauter zu werden. Denn es waren schwere Zeiten, ungewisse Zeiten, neue Zeiten. Normalerweise ist das Ellas Gebiet… Veränderung und sie kommt direkt schaut mich an und überredet mich dazu, Opfer meiner Umstände zu bleiben. Aber das bin ich nicht.
„Ella“, sage ich, „warum willst du, dass ich traurig bleibe?“
Sie sagt nichts. Sie schaut mich nur an und reicht mir ihre Hand. Es scheint so einfach, ihre Hand zu nehmen mich neben sie zu legen und in den Himmel zu starren, mich erdrücken zu lassen, meinem Herzschlag zuzuhören und es ihm ein bisschen übel zu nehmen, dass er mich am Leben hält.
Ella sagt immer noch nichts. Sie schaut mich weiter an. Aber ich gehe nicht auf sie ein, ich bleibe stehen und frage nochmal: „Warum willst du, dass ich traurig bleibe?“
Ella steht da. Und ihre Hand fängt an zu flackern. Ihre Augen verblassen. Ella weiß keine Antwort auf meine Frage. Und ich weiß sie auch nicht. Es gibt keinen Grund dafür, nicht für mein Glück zu kämpfen. Ich habe nichts zu verlieren. Ich bin nackt auf dieser Welt, bin ohne gekommen, werde ohne gehen. Ich habe nichts zu verlieren.

Ella ist am verschwinden. Es ist komisch, sie gehen zu sehen und ich wünschte, ich könnte einen Teil von ihr behalten. Ella wird sich auflösen, Ella wird verschwinden, Ella wird sich wie eine Seele zu mir gesellen, mir Erinnerungen dalassen.
Ella wird niemals weg sein.
Aber ich habe angefangen, für mich selbst zu denken.
Es war einfach, alles zu verdrängen. Es war einfach, ihre Hand zu nehmen und mit ihr wegzurennen. Aber es war einsam. Ella schaut mich nur an, mit dem gleichen Gesichtsausdruck. Es war einsam, mich mit Ella zu verstecken. Es war so leer.
Ich habe angefangen, Verantwortung für mich selbst zu übernehmen und ich werde nicht mehr zurückgehen. Dafür genieße ich es viel zu sehr zum Badass zu werden, dafür genieße ich es viel zu sehr stark zu werden.

Ella? Ich vermisse dich nicht. Aber ich liebe dich trotzdem.

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